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Der Stadtrat machts sich leicht, eine Auseinandersetzung findet nicht statt
Die Gruppe 'Sous le pont', die seit über 3 Monaten einen kleinen Teil der Allmend für sich in Anspruch nimmt, muss die Allmend bald verlassen. Der Stadtrat ist sich zu schade, um sich überhaupt auch nur einmal mit ihr und ihrem Anliegen auseinanderzusetzen. Um einem längeren juristisch und finanziell aufwendigen Verfahren aus dem Weg zu gehen, einigte man sich mit der Stadt auf einen Termin um das Feld auf der Allmend zu räumen. Das Anliegen, das Leben im Bauwagen zu führen, bleibt aber weiterhin bestehen, und eine Lösung ist nicht in Sicht. Die Gruppe bestehend aus 6 jungen LuzernerInnen, versucht in dieser Zusammensetzung seit Ende Juni diesen Jahres einen Platz zu finden, um in ihren Bauwagen leben zu können und ihr gutes Recht einzufordern, um diese ihnen entsprechende Wohnform auch ausleben zu können. Schliesslich verspricht uns die schweizerische Demokratie ja auch ein höchstes Mass an eigener Souveränität !
Weil es keine entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen gibt bzw. keine Zone, wo die Wohnform Bauwagen vorgesehen wäre und Versuche, von einem Teil der Gruppe, ein Gelände zu mieten, an allfälligen Baugesuchen scheiterten, sah sich die Gruppe genötigt, von Anbeginn ihrer Bemühungen, geeignet scheinende Plätze für ihre Anliegen anzueignen. Schliesslich wohnten schon alle in ihren Wagen und konnten an ihren Herkunftsstandorten nicht länger bleiben. Die jeweilige Aneignung geschah wohlgemerkt immer durch unmittelbares Inkenntnissetzen des rechtmässigen Eigentümers. Die Gruppe sah keine andere Möglichkeit um auf ihre Anliegen, ihr Recht, so zu leben, wie es ihnen entspricht, aufmerksam zu machen und auf diesem Wege eine öffentliche Diskussion ins Rollen zu bringen.
Obwohl die Gruppe 'Sous le pont' von Beginn weg seit der Teilbesetzung eines Grundstückes in der Allmend, ihre Gesprächsbereitschaft gegenüber der Stadt Luzern, immer wieder betonte und dies sogar als die einzige Forderung ihrerseits an den Stadtrat richtete, wonach einem Abzug nichts mehr im Weg gestanden wäre, befand der Stadtrat, dass dies nicht nötig sei. Er leitete das Befehlsverfahren gegen die Einzelpersonen der Gruppe ein, ohne sie überhaupt auch nur einmal angehört zu haben. Herr Bernet, Jurist der Baudirektion fungierte als Mittelsmann, mit der Kompetenz und dem Auftrag mit ihnen einen Abzugstermin festzulegen. Wiederholt machte die Gruppe auch ihn darauf aufmerksam, dass man auf Gespräche mit dem Stadtrat beharre. Dies wurde auch schriftlich mitgeteilt. Unser Anliegen soll ernstgenommen und diskutiert werden.
Hätte der Baudirektor, Kurt Bieder auch nur die Hälfte seiner Zeit aufgewendet, die er höchstwahrscheinlich in ein dringliches Räumungsbegehren gesteckt hat, wäre man bestimmt schon zu einer Übereinkunft gekommen. Anders als Herr Bieder dem Gericht glauben machen möchte, hatte die Gruppe nicht mehrmals die Möglichkeit zu ihrem Vorgehen und Anliegen Stellung zu nehmen, man hörte sie ja bisher noch gar nie an! Das schien auch das Gericht zu erkennen und wies die Dringlichkeit des Räumungsbegehrens ab, worauf die Gruppe 'Sous le pont' die Möglichkeit nutzte dem Gericht ihre Sichtweise darzulegen. Da man aber kein Interesse an einem langwierigen, juristischen Verfahren hat, das so oder so mit hohen Kosten verbunden sein würde, wird das Feld in Übereinkunft mit der Stadt verlassen. Das Befehlsverfahren wird im Gegenzug eingestellt. Jedoch ist noch immer nicht geklärt, ob die Stadt als Eigentümerin und Besitzerin eines Teiles der angeeigneten Fläche, tatsächlich vollumfänglich und alleine handlungs-, bzw. antragsfähig ist. Die Argumentation gegen die Wagenbewohner scheint allgemein als etwas gesucht.
Die jungen LuzernerInnen verstehen nicht, wieso es nicht zu einem Gespräch mit dem Stadtrat kommen konnte. Auch wenn sie eigeninitiativ und gegen den Willen der Stadt gehandelt haben, muss ihr Anliegen auf- und ernstgenommen werden. Es ist ein Konflikt, den sie als BürgerInnen dieser Stadt mit dieser Stadt haben und den wollen sie wenigstens einmal in einem Gespräch mit dem Stadtrat besprochen haben. Sie sehen nicht ein, wieso dass für das Wagenleben geeignete, brachliegende Plätze nicht genutzt werden können.
Und so werden wir weiter stören, um Leben zu können wie es uns entspricht, in unseren Bauwagen. Es ist nicht ein Auswuchs jugendlichen Übermutes und Experimentierfreudigkeit, sondern eine ökologische, naturnahe und kreative Wohnform, die schon seit jeher gelebt wird und in den meisten Teilen Europas auch aktzeptiert und unterstützt wird. Gerade weil das schweizerische Recht diese Wohnform nicht zu kennen scheint, ist mensch auf die Unterstützung und den Goodwill einer Gemeinde angewiesen. Ob dies die Stadt früher oder später auch anerkennt?
Gruppe 'Sous le pont'
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