Aktion Freiraum

Startrede am Strassenfest

Die Startrede am Strassenfest vom 15. Dezember:

Nach dem vereitelten Fest vom 1. Dezember stehen wir wieder auf der Strasse, um ein Zeichen für die Alternativkultur und mehr lebenswerte Freiräume zu setzen. Ein Zeichen, dass wir uns nicht einfach so wegsperren lassen und ein Zeichen gegen eine Stadt, in der nur noch die Schokoladenseite Platz haben soll.

Es geht uns hier und heute nicht nur um die Boa, die wir schmerzlich vermissen. Es geht uns um ein Kulturverständnis und –angebot, das in unserer Stadt brach liegt und auch vom vielbeschworenen Kulturwerkplatz “Südpol” nicht wieder zum Leben erweckt werden wird.

So wie die Dinge heute stehen, befürchten wir, dass im Südpol ein institutionalisierter Freizeitbetrieb mit stark eingeschränkten Nutzungs-möglichkeiten entsteht und niemals ein lebendiger Treffpunkt. Kein Ort, wo über soziale, kulturelle oder politische Fragen diskutiert wird und wo neue kulturelle Bedürfnisse ihr erstes Dach finden. Kein Ort, der Experiment ist.

Kulturelles Engagement erfordert eine aktive Rolle und ist nie bloss das Verteilen von Geldern. Auch innerhalb der alternativen Kultur gibt es Gruppierungen, die leichter zu ihren Kulturräumen kommen als andere.

Werden wir vertreten vom Leiter des Südpols, der von der Stadt mit der Durchführung des UEFA-Auslosungsfests beim Lido betraut wurde? Sehen wir hier nicht eher ein Anschauungsbeispiel, wie handzahm sich die Stadt die alternative Kultur wünscht und dafür tief in die Tasche zu greifen bereit ist?

Die Stadt will zusammen mit der Tourismus- und Konzerthauslobby und mit viel Geld, klingenden Namen und Werbung Luzern als Kulturstadt positionieren. Dahinter steckt ein Kulturverständnis, das nicht nach Inhalten, sondern nach Auftrittsorten und Bauhüllen fragt. Die etablierte Kultur, die ebenfalls von einer Minderheit produziert und konsumiert wird, verschlingt Millionenbeträge, von denen wir nicht mal zu träumen wagen.

Neben Räumen braucht die Kultur in erster Linie ein geistiges Klima, das anregt, das herausfordert, das Bilder und Vorstellungen provoziert. Die Bilder vom 1.12. provozieren bei vielen von uns leider etwas ganz anderes!

Aber wir wollen hier keine abstrakt-schöngeistigen Forderungen stellen und haben uns deshalb um konstruktive Vorschläge bemüht.

Wir fordern Frei-Räume, keine millionenteuren Umbauten! Wir wünschen eine dialogbereite, menschliche Stadt Luzern, die Andersdenkende respektvoll und tolerant behandelt, die alternative Lebens-, Kultur- und Wohnformen zulässt und nicht ausgrenzt.

Wir fordern keine perfekt ausgebauten Räumlichkeiten - sie dürfen gerne renovationsbedürftig sein oder provisorischen Charakter haben. Nach unfreiwilliger, eingehender und vertiefter Besichtigung schlagen wir der Stadt Luzern deshalb vor, uns vorübergehend den Sonnenbergknast zur Verfügung zu stellen. Vorübergehend! Noch so gerne würden wir in die zentraler gelegenen Lager der Stadt, der Polizei, Feuerwehr oder der Zünfte umziehen, die kaum genutzt werden und für eine Nicht-Nutzung zu optimal liegen und erschlossen sind!

Setzen wir heute laut und friedlich ein Zeichen gegen die fehlenden Freiräume in unserer Stadt!

VIVE LA FETE!!!!!!!

 
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