| Schlussrede am Strassenfest |
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Die Schlussrede am Strassenfest vom 15. Dezember: “Eine Kulturstadt braucht breite und lebendige Kulturszenen, die widerspenstig, unreglementiert, kritisch, aufmüpfig und anarchisch sind. Diese Szenen machen den Nährboden des kulturellen Lebens aus.” Haben wir Ähnliches während dieses Umzuges nicht schon gehört? Ist das nicht genau das was wir fordern? Es sind genau die Adjektive widerspenstig, unreglementiert, kritisch, aufmüpfig und anarchisch, welche das Kulturleben in der Boa, wie auch in den besetzten Häusern ausmachten. Der Text könnte von uns sein, der Text müsste von uns sein, wer sonst würde so was in der Stadt Luzern schreiben? Die Antwort: Niemand Geringeres als die Stadt Luzern! Das Zitat ist aus einer kulturpolitischen Standortbestimmung der Stadt Verwaltung. Schauen wir also auf die Stadt, welche sich selbst ein so fortschrittliches Kulturleitbild gibt, welche seit 15 Jahren Kulturfrieden und Kulturkompromiss predigt. Dieser Kulturkompromiss hatte mal daraus bestanden, dass die Stadt Luzern insgesamt 100 Millionen in die Kultur investiert. 70 Millionen sollten in ein KKL, 10 Millionen in nicht etabliert Kultur fliessen. Während aus den 70 Millionen für das KKL 112 Millionen wurden. Wurden die 10 Millionen gar noch unterschritten. Aber wenden wir uns ab von den Zahlen. Lassen wir die finanzielle Unterstützung beiseite, wenden wir uns hin zur ideellen Unterstützung. 1988 war die Rede davon, dass man gemeinsam weiter kommen müsse, dass verschiedene Arten von Kultur Platz haben müssten und dass diese Vielfalt auch das Gesicht von Luzern sein soll. Die Stadtkonzepte heute sprechen eine andere Sprache. 2004 veröffentlichte der Stadtrat einen Masterplan zur Stadtentwicklung. Weitere Wohnung waren darin nur im so genannten vier und fünf Stern Bereich vorgesehen. Luzern sollte attraktiv werden für reiche Pensionierte, anziehend wirken auf so genannte DINCs: Double Income No Kids. Im Jahr 2007 öffnete die Stadt Luzern ihr Spektrum. Drei Konzepte werden der Bevölkerung zur Auswahl gestellt: Luzern könne eine Grossstadt werden, Luzern könne der Wohnraum für Zürich werden oder Luzern könne sich als pittoreske Tourismusstadt präsentieren. Kein Platz in den Visionen unserer Stadtplaner hat die Kulturstadt. Kein Platz hat auch die Stadt, welche der Vielfalt der heutigen Bewohnerinnen und Bewohner entsprechen würde. Und weder in den Köpfen derer die das Sagen haben in dieser Stadt, noch in deren Gebäuden existieren freie Kulturräume oder Alternativkultur. Diese stehen auf der Strasse. Günstiger Wohnraum muss der so genannten Stadtaufwertung weichen und auch Neubauten orientieren sich am mittleren bis oberen Preissegment. Wo ist unsere Lobby? Die IG Kultur könnte unsere Lobby sein oder besser gesagt: Die IG Kultur wäre eigentlich unsere Lobby. Jetzt ist die IG Kultur eine Organisation in der die möchtegern-alternativen Generation 50 plus sich gegenseitig Geld zuschaufelt. Die einzige Lobby, die wir haben, sind wir selbst. Im Moment gibt es keine IG Kultur mehr. Aber sie kann es wieder werden. Und gerade deshalb braucht es eine Aktion Freiraum, Eine Aktion die Einfluss nimmt und zwar au f allen Ebenen. Sei es politisch, sei es in bestehenden Organisationen oder wie heute und in Zukunft, auf der Strasse. Wir sind auf der Strasse!!! Und gleichzeitig reisst sich der Chef der Rose d’Or und der UEFA Party den Möchtegerne Boaersatz unter den Nagel Aber lassen wir ihm dieses Haus, lassen wir ihm die 600′000 Franken die er jährlich dafür kriegen wird. Die Alternativkultur ist nicht abhängig von Gebäuden, das zeigt allein schon Euer Erscheinen heute Abend. Jeder und jede von Euch muss selber weitermachen, Freiräume öffnen und erkämpfen. Aber das alleine reicht nicht. Wir brauchen auch eine Stadt, welche die Freiräume zulässt, welche die Alternativkultur als eben diesen Nährboden sieht, deren widerspenstigen, unreglementierten, kritischen, aufmüpfigen und anarchischen Charakter respektiert. Dieser Teil der Gesellschaft, des kulturellen Lebens, wurde auf die Strasse gewiesen. Und hier sind wir jetzt! Auf der Strasse! Und auf dieser Strasse sind wir nicht nur heute, hierher kommen wir zurück und hier bleiben wir, BIS SICH ETWAS GEÄNDERT HAT. Vor zwei Wochen wurden wir auf diesem Platz einkesselt, wurden unsere Forderungen unterdrückt. Heute ist es anders, heute ist die Stadt eingekesselt, eingekesselt von unseren Forderungen und Ideen. |