Aktion Freiraum

Forderungen
Forderungen bei der Startrede am Strassenfest

Neben Räumen braucht die Kultur in erster Linie ein geistiges Klima, das anregt, das herausfordert, das Bilder und Vorstellungen provoziert.

... wir wollen hier keine abstrakt-schöngeistigen Forderungen stellen und haben uns deshalb um konstruktive Vorschläge bemüht.

Wir fordern Frei-Räume, keine millionenteuren Umbauten! Wir wünschen eine dialogbereite, menschliche Stadt Luzern, die Andersdenkende respektvoll und tolerant behandelt, die alternative Lebens-, Kultur- und Wohnformen zulässt und nicht ausgrenzt.

Wir fordern keine perfekt ausgebauten Räumlichkeiten - sie dürfen gerne renovationsbedürftig sein oder provisorischen Charakter haben. Nach unfreiwilliger, eingehender und vertiefter Besichtigung schlagen wir der Stadt Luzern deshalb vor, uns vorübergehend den Sonnenbergknast zur Verfügung zu stellen. Vorübergehend! Noch so gerne würden wir in die zentraler gelegenen Lager der Stadt, der Polizei, Feuerwehr oder der Zünfte umziehen, die kaum genutzt werden und für eine Nicht-Nutzung zu optimal liegen und erschlossen sind!

 

Quelle: Startrede am Strassenfest

 
14.10.08: Aktion Freiraum und die Luzerner Stadtentwicklung
 
Anmerkung: Zum Thema Vision D (4. Stadtentwicklungsmodell) hat auch die Aktion Freiraum Stellung bezogen. Um die nachstehende Kritik am Raumentwicklungskonzept jedoch im Kontext sehen zu können, sei hier noch auf die zwei offiziellen Papiere der Stadt Luzern verwiesen:
 

 

VERNEHMLASSUNGSANTWORT DER AKTION FREIRAUM ZUM ENTWURF DES RAUMENTWICKLUNGSKONZEPT DER STADT LUZERN

Argumentarium.pdf (als PDF zum Download)

Allgemeiner Eindruck

Die Aktion Freiraum (AF) lehnt den Entwurf des Raumentwicklungskonzeptes ab, da dem
Entwurf ein grundlegend falsches Verständnis von Stadtentwicklung, Lebensqualität und

Kultur zugrunde liegt. Bereits die Orientierungen an den drei Zukunftsszenarien Wohn-,
Gross- und Tourismusstadt zeigen, dass sich die Planungs- und Entscheidungsgrundlagen der
Stadt an der Bevölkerung vorbei auf zahlungskräftige TouristInnen, wohlbetuchte
BewohnerInnen und steuerkräftigen Unternehmen orientiert und dabei die konkreten
Lebensbedingungen der eigenen Bevölkerung missachtet. Die AF teilt die Ansichten der Stadt
über eine ganzheitliche Entwicklung, das Verständnis von Lebensqualität und Kultur nicht,
und wird deshalb den BZO mit allen Mitteln bekämpfen, sollte kein grundlegender
Richtungswechsel in der Stadtplanung geschehen.
Die AF hält sich in ihrer Vernehmlassungsantwort eher kurz, da verschiedene stadtplanerische
und kulturpolitische Organisationen und Institutionen einen Gegenentwurf zu den Konzepten
der Stadt planen, welcher im Herbst entstehen wird.
Die allgemeinen Kritiken der AF finden Sie in der Antwort der ersten Frage.
 
 
1. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Stärken und Schwächen im Entwurf des REKs?
 
Stärken:

Die AF begrüsst es, dass im REK die Erhaltung bestehender Grünflächen und Schaffung
neuer Grünflächen einen hohen Stellenwert gezollt wird. Sie ist erfreut, dass Grünflächen als
notwendige Freiräume für die Entfaltung der Menschen angesehen werden. Entscheidend
scheint der AF dabei, dass Grünflächen nicht bloss gesichert, sondern auch deren öffentlichen
Zugang erhalten bleibt. Gerade Flächen am See sind von einer Privatisierung zu schützen.
Des weiteren begrüsst die AF, dass sich die REK mit der städtischen Quartierpolitik befasst.
Mit der Fusion der Stadt Luzern und Littau, sowie evt. weiteren geplanten Fusionen muss sich
die Stadtplanung mit Anonymisierung und Entfremdung befassen und gezielte städtebauliche,
sowie sozialpolitische Konzepte entwerfen. Mehr dazu unter Frage 3 (4.3.2).

Schwächen:
 
Ziel einer ganzheitlichen Stadtentwicklung
Bereits in den von der Stadt vorgestellten drei Zukunftsszenarien zeigt sich deutlich, dass die
Stadt die Stadtentwicklung unter dem Zeichen des Standortwettbewerbs sieht.
Wirtschaftswachstum steht an erster Stelle. Dieses wird erreicht, indem sich der Standort
Luzern für steuerstarke EinwohnerInnen und Unternehmen attraktiv macht. Der Standort- und
Steuerwettbewerb, welcher sich im Zuge neoliberaler Globalisierung verschärft hat, wird zum
prioritären Ziel erklärt. Die Stadt Luzern erklärt zwar, dass „Themen wie beispielsweise
Ökologie, Umwelt, Kultur, Bildung, Soziales oder Sport wichtige Eckpfeiler der
Stadtentwicklung und des Zusammenlebens“ darstellen. Diese Themen sind jedoch jeweils
dem wirtschaftlichen Standortwettbewerb untergeordnet und im REK nur minimal ausgebaut.
Sie erhalten erst dann Priorität, wenn sie der wirtschaftlichen Entwicklung dienen. Die
einseitige Ausrichtung der Stadtentwicklung lässt ausser Acht, dass soziales oder kulturelles
Wohlergehens nicht einfach auf Wirtschaftswachstum basiert.
Es entsteht ein einseitiges Verständnis von Lebensqualität und Wohlstand. Denn gerade nicht-
wirtschaftliche Faktoren, welche die soziale Verflechtung schaffen, wie die Dichte kultureller,
kreativer und sozialer Einrichtungen, das Mitspracherecht der Bevölkerung, Freiräume, um
sich zu entfalten oder die soziale Sicherheit der Bevölkerung sind entscheidende Faktoren von
Lebensqualität – und gleichzeitig nicht direkt wirtschaftliche Wachstumsfaktoren. Soll also
das Ziel einer ganzheitlichen Stadtentwicklung die Erhöhung (oder Erhaltung) der
Lebensqualität sein, ist in erster Linie auf die Bedürfnisse der gesamten Stadtbevölkerung
Rücksicht zu nehmen und neben wirtschaftlichen Indikatoren soziale und kulturelle
Indikatoren gleichberechtigt zu betrachten. Ziel darf es nicht in erster Linie sein, das
„unterdurchschnittliche Wirtschaftswachstum der Stadt Luzern zu verbessern“ (S.5), sondern
die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung zu befriedigen. Denn auch eine wirtschaftlich
attraktive Stadt braucht zuerst eine (arbeitende) Bevölkerung, welche sich in dieser Stadt wohl
fühlt.

Urbane Durchmischung
Damit sich die Stadt Luzern zu einem urbanen Zentrum der Zentralschweiz entwickeln kann,
muss sie demnach nicht bloss wirtschaftlich attraktiv sein. Mit Urbanität wird vor allem auch
eine starke Durchmischung verschiedenster Individuen, Bedürfnissen und Ansichten auf
kleiner Fläche verstanden. Die Förderung einer solchen Durchmischung verschiedenster
Lebensformen wird jedoch nicht erreicht, wenn z.B. unter Verbesserung des Wohnangebots
die Schaffung von Wohnungen im mittleren und oberen Preissegment; oder unter
Arbeitsplatzangebot die Schaffung von gut qualifizierten Arbeitsplätzen verstanden wird.
Wohnen ist nicht vor allem „hinsichtlich der Wertschöpfung interessant“ (S.5), sondern
Lebensnotwendigkeit. Arbeit ist nicht bloss wachstumsfördernd, sondern Garant für soziale
Sicherheit. Mit der konsequenten Priorisierung von steuerstarken Bevölkerungsschichten wird
die räumliche (und damit auch soziale) Segregation von verschiedenen Lebensformen
verstärkt. Ärmere Bevölkerungsschichten werden aus dem Stadtzentrum an die
Peripherie gedrängt, damit Platz für teure Wohnungsgebiete im Zentrum entsteht.
Der REK scheint diese Durchmischung jedoch nicht zu beachten, bzw. zu befürworten.
Gerade auch durch das Agglomerationskonzept, welches von der AF quasi unkommentiert
(siehe Frage 2) abgelehnt wird, fördert im Gegenteil gar die Zersiedelung. Die AF fordert
deshalb, dass im Sinne einer Durchmischung urbaner Lebensformen der soziale
Wohnungsbau, der Ausbau des öffentlichen und Langsamverkehrs sowie die Förderung von
Klein- und Kleinstgewerbe, die Schaffung von kulturellen Freiräumen – auch und gerade im
Stadtzentrum – als entscheidender Punkt in das REK aufgenommen wird.

Kulturverständnis
Mit dem oben bereits benannten einseitigen Verständnis von Lebensqualität entsteht ein
weiteres Problem des REK: Kultur wird, wenn überhaupt, im REK als Wirtschaftsfaktor
betrachtet. Einzig unter Punkt 4.2.1 wird vom sogenannten „wichtigen <kreativen Milieu>“
gesprochen – allerdings im Zusammenhang mit dessen Vertreibung aus dem Zentrum. Der
einzige konstruktive kulturpolitische Vorstoss besteht aus der Standortsuche für den „salle
modulable“. Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Stadt Kultur als die etablierte,
international ausstrahlende, für Kulturtourismus interessante Konsumkultur betrachtet. Die
AF ist aufgrund des Kulturverständnisses der Stadt auch nicht überrascht, dass in den
Leitsätzen und Stossrichtungen in Kapitel 7 kein einziges Wort über Kultur steht.
Doch in unserem Verständnis ist Kultur mehr als konsumierbare, etablierte Kultur. Kultur ist
der Umgang der Menschen untereinander und mit Kulturgütern. Sie ist Ursprung der
Umgangsformen, der Kreativität und Produktivität. Somit zeichnet sie die gesellschaftliche
Existenz aus. Kultur ist also nicht einfach ein Produkt, welches importiert oder kommerziell
vermarktet werden kann, sondern Teil und Grundlage des alltäglichen Lebens.
So ist die Kultur Ursprung von produktivem Handeln. Dieses Handeln braucht seine Freiheit,
um entstehen zu können. Was wir unter Kultur – und insbesondere Alternativkultur –
verstehen ist das Experimentieren, Aushandeln und Erschaffen von Lebens- und
Schaffensformen – oder wie sie es nennen, das im „kreativen Millieu“ Entstehende. Gerade
auch die etablierte Kultur nährt sich erst aus diesem Millieu. Damit sich Luzern also auch in
Zukunft Kulturstadt nennen kann, braucht sie diesen Nährboden. Und muss ihm auch
Freiräume zugestehen.

Wirtschaftsverständnis
Die AF kritisiert auch, dass das Wirtschaftsverständnis, welches sich durch den gesamten
Bericht zieht, kein wirklich zukunftsorientiertes Verständnis darstellt. Soziologisch betrachtet
befinden sich die post-industriellen Staaten – und somit auch der Dienstleistungsstaat Schweiz
– an der Schwelle zu einem neuen Produktionsregime, dem Post-Fordismus. Dieses ist durch
eine neue Arbeitsweise gekennzeichnet, welche sich durch verstärkte Flexibilität,
Projektarbeiten und temporäre Arbeitsplätze, ungeregelte Arbeitszeiten und neuen Qualitäten
auszeichnet. Die neuen Qualitäten können als affektive oder immaterielle Arbeiten bezeichnet
werden. Arbeit wird nicht mehr bloss in einer Fabrik oder einem Büro verrichtet, sondern
zieht sich durch das gesamte Leben. Das Schaffen von einem eigenen sozialen Netzwerk,
informellen Beziehungen, die affektive Arbeit während und neben der Arbeit, die
Digitalisierung vieler Arbeiten führen dazu, dass Arbeit und Freizeit, Heim- und Büroarbeit
verstärkt vermischt wird. Gefragt ist nach Meinung vieler Soziologen die kreative Arbeit – sei
diese in künstlerischer, gestalterischer aber auch gewerblicher Form. (Kunst, Kultur,
Marketing, Design, Grafik, Architektur, Handwerk etc.) Gefragt ist eine sogenannte Creative
Class, welche flexibel und selbstorganisiert ist. Diese Creative Class braucht ihren Nährboden
in einem urbanen Zentrum, welches von der Durchmischung verschiedenster Sphären
(Wohnen, Arbeiten, Kultur, Gewerbe) geprägt ist, und ihnen ihre Räume zur Verwirklichung
geben kann. Was die AF fordert – die Schaffung kultureller Freiräume (Auftrittsorte, Ateliers,
Bandräume, alternative Wohnprojekte) – ist nach einem solchen Wirtschaftsverständnis nicht
bloss eine Frage der Kulturnot, sondern stellt auch eine zukunftsgerichtete wirtschaftliche
Strategie dar. Die Produktion von Kreativität kann also auch als entscheidender
wirtschaftlicher (Standort-)Faktor der Zukunft gesehen werden. Nicht bloss attraktive
Steuerkonditionen, gute Infrastruktur oder zentrale Örtlichkeiten dienen der wirtschaftlichen
Prosperität, sondern auch sein kreatives Milieu. Gerne verweisen wir hier auf den beigelegten
NZZ-Artikel. (Argumentarium.pdf NZZ Artikel als PDF zum Download)
 
Sicherheitsverständnis
Die AF begrüsst es, dass das Thema der Sicherheit Einzug in den REK genommen hat. Sie ist
jedoch mit dem einseitigen Sicherheitsverständnis der Stadt nicht einverstanden. Einerseits
muss, wie im Leitsatz C1 die Sicherheit der Stadt Luzern nicht erhöht, sondern bloss erhalten
werden, wie der von der Stadt in Auftrag gegebene Sicherheitsbericht beweist! Die Stadt
Luzern ist eine sichere Stadt. Zudem wird deutlich, dass sich städtebauliche Massnahmen zur
Erhöhung der Sicherheit auf die so genannten Problemzonen beschränken. Dies ist, trotz
konstruktiven städtebaulichen Massnahmen, reine Symptombekämpfung – denn es wird
lediglich auf eine Problematik reagiert. Die Ursachen, dass sich zum Beispiel Jugendliche an
einschlägigen Orten versammeln, liegen aber in grundsätzlicheren städtebaulichen Problemen.
An erster Linie sei hier erneut auf die fehlenden Freiräume für Jugendliche hingewiesen. Die
Tatsache, dass Jugendkulturhäuser geschlossen werden, und vielmals nur besser kontrollierte,
teilweise mit Konsumzwang versehene Kulturhäuser entstanden sind, ist ein wichtiger Grund,
für die Besetzung öffentlichen Raums durch Jugendliche. Des Weiteren ist auch darauf
hinzuweisen, dass die Zersiedelung eine Rolle spielt. Die Homogenisierung einzelner
Quartiere (v.a. in Agglomerationen) in reine Wohnquartiere, das Fehlen von Quartierläden,
von kulturellen und sozialen Einrichtungen und Freiräumen in den Quartieren führt auch
dazu, dass sich gerade die Jugend aus ihrem Quartier (aus der Agglomeration) an zentrale
Orte begibt. Die AF fordert deshalb, dass, wenn Sicherheit durch städtebauliche Massnahmen
erhalten werden soll, die Schaffung von kulturellen Freiräumen, in denen sich die Jugend
auch ohne Konsumzwang und Kontrolle aufhalten und entfalten kann, an erster Stelle steht.
Solche Freiräume können vor allem dann Wirkung erzielen, wenn sie im Stadtzentrum und in
abgelegenen Quartieren entstehen.
Zudem möchte die AF anregen, auch die soziale Sicherheit in das Sicherheitsverständnis und
die konkreten Massnahmen aufzunehmen. Gerade der soziale Wohnungsbau und
Wohnprojekte dienen stark der Erhöhung der sozialen Sicherheit, die für die AF ein wichtiger
Aspekt von Sicherheit darstellt.

Fehlende Partizipation der Bevölkerung
Die AF ist der Meinung, dass die einfache Bevölkerung im Prozess der Ausarbeitung eines
neuen BZO, sowie in den konkreten Massnahmen und Projekten des REK zu wenig
einbezogen wird. Oftmals wird davon gesprochen, dass mit privaten Eigentümern,
Unternehmen, Gebietsmanagern oder durch wettbewerbsähnliche Verfahren die Stadtplanung
beeinflusst und kontrolliert werden soll. Die Mitsprache der direkten BewohnerInnen wird
jedoch nirgends berücksichtigt. Im Sinne einer ganzheitlichen Stadtplanung, welche die
Bedürfnisse aller BewohnerInnen berücksichtigen soll, wäre diese Partizipation an
städtebaulichen Entscheidungen jedoch unverzichtbar. Die AF fordert die Stadt deshalb auf,
ein Konzept zu entwickeln, das direkte BewohnerInnen aktiver in den Planungsprozess
einbezieht.
 
 
2. Wie beurteilen Sie das räumliche Leitbild im Kapitel 3?
 
Allgemein beinhaltet das räumliche Leitbild viele gute Aspekte. Allerdings werden die gut
analysierten Ausgangslagen mit falschen Massnahmen im Aktionsprogramm angegangen. Die
AF möchte an dieser Stelle bloss einige Kritiken anbringen:

- Unter 3.3 wird richtig erkannt, dass innerhalb von Quartieren öffentlich zugängliche
Grün- und Freiräume erhoben werden müssen. Der AF fehlt dabei jedoch der Hinweis,
dass ein Quartier seine Qualität nicht bloss von Grün- und Freiräumen erhält, sondern
auch von seinen privaten Versorgungseinrichtungen, Kleingewerbe und kulturellen
und sozialen Einrichtungen.
- Die AF möchte auch darauf hinweisen, dass die urbane Durchmischung nur erreicht
werden kann, wenn die unter dem Punkt 3.2 beschriebenen dynamischen Wohn- und
Arbeitsgebieten mehr als Wohn- und Arbeitsgebiete darstellen. Wie gerade oben
geschrieben, müssen auch Kleingewerbe und kulturelle Freiräume in Aussenquartieren
entstehen. Für die AF stellt beispielsweise das Hirschmattquartier und insbesondere
die Bruchstrasse ein Musterbeispiel für ein gut durchmischtes, urbanes Quartier dar.
Es ist also zu beachten, dass gerade in den Entwicklungsgebieten Süd und Nord nicht
bloss Wohn- und Büroblöcke entstehen, sondern das Angebot von Gewerbe, Läden,
Restaurants/Bars, Kultur und Sozialem ebenfalls berücksichtigt wird.
- Die AF lehnt das Agglomerationsprogramm ab. Da sich die AF jedoch nicht als
allgemein-politische Organisation versteht, verzichtet sie auf eine ausführliche
Begründung. Sie kritisiert bloss, dass mit der konsequenten Priorisierung von
Massnahmen für den motorisierten Individualverkehr das Verkehrsproblem in Luzern
nicht gelöst werden kann. Gerade Projekte wie der By-Pass oder die Spangen Nord
und Süd führen bloss zu verstärktem Automobilverkehr, die Verstopfungen auf den
Strassen der Innenstadt werden somit nicht gelöst (immerhin sind ca. 80% des
Verkehrs in der Stadt durch Parkplatzsuche und „internen“ Verkehr verursacht). Was
dieser Ausbau des Strassennetzes ebenfalls bewirkt ist eine verstärkte Zersiedelung,
welche etwa die Entstehung neuer Shoppingmeilen nach amerikanischem Vorbild wie
in der Kounimatt hervorbringt. Die AF fordert deshalb eine konsequente Bevorzugung
von Massnahmen die den öffentlichen Verkehr sowie den Langsamverkehr verbessern
und attraktiver machen.
- Die AF denkt nicht, dass Hochhäuser sich einen eigenen Abschnitt in einem
räumlichen Leitbild verdient haben. Hochhäuser dienen in keinem Fall dem sozialen
Leben der BewohnerInnen, sie sind vielmehr Anzeichen einer Ghettoisierung und
Anonymisierung – sie dienen also, wenn überhaupt, bloss einem Grossstadtimage,
welches hinter den Fassaden bloss die Probleme einer solchen Grossstadt versteckt.
Die AF fordert, den Bau von neuen Hochhäusern im BZO zu verbieten.
 

3. Sind die Schwerpunkte im Aktionsprogramm Stadtentwicklung richtig gesetzt?
 
Nein. Konkret ist die AF mit folgenden Punkten nicht einverstanden:

4.2.1
Bereits der erste Punkt des Aktionsprogramms enthält viele grundlegend falsche Aussagen:
Sogenannte Entwicklungspotenziale werden hier als Potentiale zur Standortgunst verstanden.
Entwicklung wird demnach von privaten Investoren geschaffen, die der Stadt wirtschaftliche
Prosperität verschaffen können – dies zeugt von dem unter Frage 1 beschriebenen einseitigen
Verständnis von Stadtentwicklung und führt letztlich dazu, dass die Entwicklung der Stadt
Luzern nicht von der Bevölkerung mitbestimmt wird, sondern unter dem Diktat von
steuerstarken Investoren und Unternehmen geschieht. Dies wird bestätigt durch die Aussage:
„Durch rasche Taten kann damit die Investorenstimmung günstig beeinflusst werden.“ Kaum
ist Kapital vorhanden, beginnt die Stadt rasche Taten zu vollbringen. Dies ist bestimmt kein
nachhaltiger und langfristig gedachter Stadtentwicklungsprozess.
Zwar begrüsst die AF unter diesem Punkt die Feststellung, dass das <kreative Millieu> aus
dem Stadtzentrum vertrieben wird. Sie ist jedoch mit der vorgeschlagenen Massnahme nicht
einverstanden. Dem „wichtigen“ Millieu wird gerade noch eine temporäre Zwischennutzung
zugestanden, wenn gerade kein Investor eine wertschöpfungsintensivere Nutzung finanzieren
will. Diese Abschätzigkeit gegenüber dem „wichtigen“ Millieu zeugt erneut von der Arroganz
der Stadt gegenüber diesen Szenen. Die AF fordert, dass unter diesem Punkt die Kultur einen
hohen Stellenwert erhält, und Schlüsselareale nicht bloss in Wohnen, Arbeiten, oder
„Nutzung offen“ eingeteilt werden. Gerade Schlüsselareale müssen von einer urbanen
Durchmischung leben.
So kritisiert die AF auch, dass für die Areale Industriestrasse, Schüür/Rösslimatt, Tribschen
und Fluhmühle keine Nutzung vorgeschlagen wird. Gerade diese Gebiete sind heute durch
eine starke kulturelle und gewerbliche Nutzung geprägt und sollten so auch weiterverwendet
werden. Die AF bedauert, dass die Stadt das Projekt „Wohnwerk Luzern“ vorübergehend
aufs Eis gelegt hat. Denn genau ein solches Projekt wäre in unserem Sinne einer
zukunftsgerichteten und ausgeglichenen Stadtentwicklung förderlich. Sie verlangt deshalb,
dass dieses und ähnliche Projekte in den oben genannten Schlüsselarealen – und an anderen
Stellen – realisiert werden können.

4.2.2.
Wie bereits mehrmals beschrieben, ist es „im Sinne einer durchmischten, lebendigen Stadt
und aus Sicht der Wertschöpfung“ nicht bloss erwünscht, Wohn- und Arbeitsplatzangebote,
sondern auch kulturelle und soziale Einrichtungen sowie Platz für Kleingewerbe an zentraler
Lage zu schaffen.

4.2.3
Wie bereits bei Frage 3 beschrieben lehnt die AF das Agglomerationsprogramm in dieser
Form ab.

4.3.1
Die AF ist wie bereits geschrieben erfreut, dass sich die REK mit der städtischen
Quartierpolitik befasst. Sie befürwortet es, dass Massnahmen zur Verbesserung des
Zusammenlebens in den Quartieren ergriffen, und kleinräumige Strukturen zu erhalten und
stärken versucht werden – und möchte darauf hinweisen, dass ihre Forderung nach mehr
kulturellen Freiräumen genau in diese Richtung zielt. Die AF würde es begrüssen, wenn
dieser Punkt noch erweitert wird. Gerade die oben angesprochene Problematik von fehlender
Partizipation der Bevölkerung könnte mit einem Ausbau des Mitspracherechts der
Quartierbevölkerung verbessert werden. Erst wenn die Bevölkerung eines Quartiers
zusammenkommt und die Möglichkeit hat, über die Entwicklung ihres Quartiers
mitzubestimmen, werden die Massnahmen in einem Quartier auch Erfolg verbuchen.

4.5.3
Die AF möchte darauf hinweisen, dass der Kulturkompromiss der Stadt Luzern darauf beruht,
dass die etablierte Kultur nur dann unterstützt werden darf, wenn gleichzeitig auch
Unterstützung für die alternative Kultur besteht. Dieser Kulturkompromiss scheint in letzter
Zeit verloren gegangen zu sein. So ist es einmal mehr eine gegenüber der alternativen Kultur
arrogante Haltung, wenn die Standortsuche für den „salle modulable“ einen eigenen Punkt im
Aktionsprogramm erhält, während über die Alternativkultur kaum ein einziger Unterpunkt
geschrieben wird. Solange der alternativen Kultur keine Räume an attraktiver Lage zur
Verfügung stehen, soll auch dem „salle modulable“ kein attraktiver Standort gesucht oder gar
freigemacht werden. Angesichts der städtischen Sparpolitik erscheint es zudem als
wahrscheinlich, dass allfällige Betriebsbeiträge – zumindest längerfristig – zu Lasten anderer
Kluturbetriebe gehen würden.

4.5.4
Die Stadt erkennt richtig, dass es in Luzern kaum Möglichkeiten gibt, „spontan und ohne
einem Verein (...) anzugehören, auf einem Sportplatz Spiele und Sport zu betreiben.“ Die AF
wünschte sich jedoch eine ähnliche Erkenntnis betreffend kulturellen Angeboten und Räumen
für die Jugend: Es gibt in der Stadt Luzern kaum Möglichkeiten, kulturelle Praktiken
auszuüben, ohne unter Konsumzwang zu stehen, einer Organisation oder einer Schule
anzugehören. Die Schaffung von öffentlich zugänglichen Bandräumen, Ateliers oder
Aufenthaltsräumen für Jugendliche ist für die Entwicklung der Jugendlichen genauso wichtig
wie die Schaffung öffentlich zugänglicher Sportanlagen.

4.6.1
Die AF betrachtet die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft zwar als vorbildliches Ziel, jedoch
steht diese Vision völlig quer im Gegensatz zu weiteren Punkten des Aktionsprogramms. In
erster Linie kann eine Annäherung an die 2000-Watt-Gesellschaft wohl kaum erreicht
werden, indem im Rahmen des Agglomerationsprogramm weitere Strassen gebaut werden.
Auch findet sich im Aktionsprogramm keine Nennung etwaiger Vorgaben für Minergie-
Standards von Neubauten oder renovierten Gebäuden. Soll diese Vision beibehalten werden,
bedingt sie einen starken Ausbau der umwelttechnischen Massnahmen.
 
 
4. Teilen Sie unsere Beurteilung der Nachhaltigkeitsaspekte im Kapitel 5?

Die AF beurteilt die Nachhaltigkeit des REK als nicht gegeben. Einerseits fehlen die
umwelttechnischen Massnahmen fast vollständig und werden mit dem
Agglomerationsprogramm zusätzlich untergraben.
Auf gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Ebene fehlt der AF vor allem die Berücksichtigung
von produktiven, kreativen Tätigkeiten. In der Standortgunst um steuerstarke Firmen werden
keine nachhaltigen Ziele erreicht. Standortwettbewerb ist ein schneller Prozess, und eine
Firma kann im Zeitalter der Globalisierung nicht wirklich langfristig Luzern zum Wachstum
verhelfen. Soll also eine wirtschaftlich und gesellschaftlich nachhaltige Stadtentwicklung
entstehen, so sind die Förderung der produktiven und kreativen Tätigkeiten – Kleingewerbe,
künstlerische und kulturelle Tätigkeiten stark zu gewichten. Denn schliesslich braucht
Wirtschaft Produktivität, und diese kann nicht importiert werden.


5. Haben Sie weitere Anregungen?

Die AF möchte noch einmal betonen, dass sie die beschriebenen grundlegenden
Verständnisse von Stadtentwicklung mit der Stadt nicht teilt. Sie fordert deshalb die Stadt auf,
weitere Stossrichtungen, welche in die Richtung einer kreativen, produktiven, lebendigen,
durchmischten, sozialen Stadt gehen aufzunehmen.
Weitere Anregungen werden wie angekündigt von einer Vielzahl von Organisationen im
Herbst dieses Jahres durch ein Gegenkonzept bekannt gegeben.
 
 
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